Wir wissen Bescheid: Ein sichtbares Zeichen für Kirchen­gemeinden, die sich mit sexuellen Missbrauch auseinandersetzen
Ein sichtbares Zeichen für Kirchen­gemeinden, die sich mit sexuellen Missbrauch auseinandersetzen
Ein sichtbares Zeichen für Kirchen­gemeinden, die sich mit sexuellen Missbrauch auseinandersetzen
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Robert Köhler

Jahrgang 1963, ist promovierter Ingenieur und lebt in München.
Er verbrachte seine Gym­na­si­al­zeit von 1974 bis 1983 im Internat in Ettal. Als Mitgründer und einer der Vorstände des Vereins Ettaler Miss­handlungs- und Miss­brauchs­opfer war er Sprecher im Rahmen der Aufarbeitung der Vorfälle im Kloster Ettal. Seitdem engagiert er sich ehrenamtlich bei der Aufarbeitung des Kindes­miss­brauchs im kirchlichen Umfeld.

Ich möchte erreichen, dass Betroffene nach einem ziel­führenden Auf­arbei­tungs­prozess in der Lage sind, wieder in ein normales Leben zurück­zufinden. Der Umgang mit den Folgen ist für die Betroffenen belastend genug, ihnen soll nicht auch noch ein Kampf gegen die Institution zugemutet werden."

"Ich möchte dazu beitragen, dass Kinder, die sexuelle Gewalt erlitten haben, Hilfe finden. Da derzeit nur 2% dieser Kinder den Weg zu Beratungs­stellen finden, möchten wir mit unserem Projekt "Wir wissen Bescheid" die Kirchen­gemeinden als Unterstützung einbinden."


Presse, Medien, Vorträge

In den Gemeinden ist das Bewusstsein für Missbrauch in ihrer Vergangenheit noch nicht verankert. Wenn zu einem Pfarrer mehrere Vorwürfe vorliegen, wird die Einschätzung eindeutig - dann muss man auch öffentlich darüber reden. Es muss ein sichtbares Signal der Verantwortungsübernahme geben:
Daher gibt es unser Projekt "Wir wissen Bescheid"       (Sie finden den Artikel auch im [ Archiv])

Wenn Verantwortliche der Kirchenhierarchie Missbrauchstäter neu eingesetzt haben, müssen sie Konsequenzen ziehen und auf ihre Ämter verzichten. Zudem, wenn jemand z.B. als Generalvikar Taten vertuscht und Täter geschützt hat - sind Voraussetzungen zur Wirksamkeit z.B. Priesterweihe oder einer späteren Bischofsweihe nicht gegeben (Weihehindernis).

"Es reicht ja schon ein Zettel mit den Worten: Wir wissen Bescheid", sagt Robert Köhler. "Das wäre das Signal der Gemeinden: Wir kümmern uns um Prävention. Wir sind für Betroffene ansprechbar.(Foto: Stephan Rumpf)
Robert Köhler (Foto: Stephan Rumpf)

Die Forderung ein mahnendes Denkmal zu errichten, ist Teil eines jeden Aufarbeitungsprozesses. Der Vortrag beschreibt, wie das "Denk Mal" in Ettal entwickelt wurde. Es zeigt die Dynamik von Konflikten, die im Zuge des Entwurfs und der Entscheidungsprozesse wieder aufbrechen. Die Entwicklung von der Idee eines Raum des Grauens zu einem Impuls "Denk Mal", dass Missbrauch auch heute ein aktuelles Thema in der direkten Umgebung jedes einzelnen ist. Das Denkmal besteht aus einem mehrteiligen Holzrelief in Kombination mit einem Flyer der es aus Sicht der Betroffenen interpretiert.

(Foto: Universität Rostock)<br> Margit Unterthiner, Bildhauerin des Denk Mals in Ettal
Bildhauerin Margit Unterthiner (Foto: Universität Rostock)

BR: "Die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle im Kloster Ettal begann 2010. Unvorstellbare Zustände kamen zu Tage: Missbrauch und Misshandlung durch Benediktinermönche. Jahrzehntelang sind Internats­schüler geschlagen, sexuell belästigt und physisch unter Druck gesetzt worden. Die Aufarbeitung der Taten bei Opfern und in der Institution Kloster hat im wesentlichen drei Jahre gedauert - und gilt heute als gelungen."

Der Beitrag erläutert aus verschiedenen Perspektiven, was zum Gelingen beigetragen hat. "

Robert Köhler vor dem Ettaler Denk Mal
Robert Köhler (Foto: BR)

Autorin: Veronika Wawatschek: 3677 Kinder und Jugendliche wurden in den vergangenen Jahrzehnten durch katholische Pfarrer, Diakone und Ordens­leute missbraucht. Jahrzehntelang wurde vertuscht, wurde versetzt. Und die Opfer, was tut die Kirche, um ihre Schützlinge künftig zu schützen?

Der Beitrag erhielt den katholischen Medienpreis 2020, Jurybegründung: "Der Beitrag ist aufgrund der sachlich-fairen, akribisch recherchierten und nichts verschweigenden Darstellungsweise journalistisch herausragend. Gleichzeitig wird aufgezeigt, welche Wege Kirche und Gesellschaft gehen sollten, um sich und alle Betroffenen von einem belastenden Dilemma zu befreien."

Veronika Wawatschek | Bild: BR/Redaktion Religion & Orientierung
Veronika Wawatschek (Foto: BR/Redaktion Religion & Orientierung)

Aufarbeitung ist Voraussetzung für die Kirchen, damit sie Ihre Aufgaben gemäß ihrer Zielsetzung glaubhaft weiter ausführen können. Voraussetzung aus Sicht von Betroffenen und Öffentlichkeit ist die Integrität der heutige Verantwortlichen, die sich in der Verantwortungsübernahme für die Vergangenheit und die Bedürfnisse der Betroffenen darstellt. Verantwortungsübernahme heißt hinsehen und veröffentlichen, was stattgefunden hat und sich von Tätern und damals involvierten Verantwortlichen distanzieren. Zudem muss heutiges Handeln im eigenen Verantwortungsbereich professionell sein (State of the art bei Erziehungsmethoden und Gewalt Präventionskonzepten).

„Zielsetzung einer Aufarbeitung ist die Befriedung der Betroffenen, das Erkennen der Ursachen von Missständen und die Ableitung von Maßnahmen in der Zukunft. Für die Betroffenen muss es möglich werden mit erhobenem Haupt durch eine Eingangstüre der Einrichtung, in der sie geschädigt wurden, zu gehen und freundlich empfangen werden“

(Foto: Diözese Bozen)<br> vlnr: Generalvikar Eugen Runggaldier, Bischof Ivo Muser, Waltraud Klasnic, Robert Köhler)
vlnr: Generalvikar Eugen Runggaldier, Bischof Ivo Muser, Waltraud Klasnic, Robert Köhler (Foto: Diözese Bozen)

Vortrag: Notwendige Schritte zur Aufarbeitung von sexuellem Kindesmissbrauch

Zielsetzung einer Aufarbeitung sind die Befriedung der Betroffenen, das Erkennen der Ursachen von Missständen und die Ableitung von Maßnahmen in der Zukunft. Unbedingte Notwendigkeit ist die Offenlegung aller Täter und der Verantwortlichen, die nicht konsequent gehandelt haben. Die für die Aufarbeitung notwendige Transparenz steht hier konträr zu den Persönlichkeitsrechten. Um mit der Wut Betroffener umgehen zu können, sind Mediatoren als Puffer in Kommunikation unabdingbar. Ein guter Wille zur Aufarbeitung wird erst durch Taten glaubhaft und Geldzahlungen sind für die Betroffenen emotional wichtige Zeichen aktiver Reue.